Manchmal werde ich gefragt, warum es mir wichtig ist, einen Text zu veröffentlichen, einen Vortrag zu halten oder neuerdings einen Blog zu schreiben. Nun finde ich Warum-Fragen immer schwierig, vor allem, wenn sie mehr oder minder gute Gründe von Menschen betrifft, auch meine eigenen. Aber in diesem Falle fällt mir eine Antwort leicht, auch wenn ich nicht denke, dass sie alle Gründe abdeckt: „Ich will die Wahrheit schreiben, die Welt verbessern und Menschen helfen.“
Das klingt sicher provokativ und ist auch so gemeint, aber ich finde es gleichzeitig eher banal. Ich denke, es gibt eine Banalität des Guten. Es ist das, was viele Menschen tun, wenn sie sich wohlwollend mit Kindern beschäftigen, jemandem ein Geschenk machen, die Rosen schneiden, kochen, einen sinnvollen Beruf ausüben. Natürlich verbessert nicht alles die Welt: Wenn jemand mit dem Nachbarn gegen Flüchtlinge hetzt, gehört das wohl eher nicht dazu. Wenn jemand, sein Leben dafür verwendet, SUVs unter die Leute zu bringen auch nicht. Es gibt viel zu viele sinnlose und destruktive Tätigkeiten.
Aber selbst, wenn jemand gegen die „Weltverbesserer“ schimpft, will er gerade die Welt verbessern. „Weltverbesserer“ sind ja nur die, die eine andere Welt wollen als man selbst. Wer immer hier auf wen schimpft, mag ja auch in der Sache recht haben, nur in dem einen Punkt nicht: dass man ein von Anteilnahme und Vernunft geprägtes Leben führen kann, ohne die Welt verbessern zu wollen, die Wahrheit wichtig zu finden (und sei es nur, dass man nicht gerne belogen wird) und wenigstens hin und wieder jemandem zu helfen oder selbst Hilfe anzunehmen (und sei es nur, dass man einen Zebrastreifen benutzt).
Problematischer finde ich den Umgang mit scheinbar Amoralischen und Antimoralischen,
– denen die Sachzwänge heilig und alle moralischen Ziele suspekt sind,
– die vertreten, Politik und Wirtschaft könnten oder sollten amoralisch sein,
– die es Sachzwängen zuschreiben, ob sie einen Rasen anlegen, ihr Geld der Bank überlassen, eine neue Autobahn bauen oder die Entwicklungs-zusammenarbeit zusammenstreichen.
Es ist viel schwieriger, ihnen zu begegnen. Sie verleugnen die moralischen Aspekte, lassen sie im Hintergrund, wo sie tatsächlich oft nur eine vage, unartikulierte, manchmal auch komplexe und widersprüchliche Existenz führen. Sie diskriminieren die moralische Dimension sogar, so dass eine Klärung schwieriger wird als notwendig.
Oft ist es ja tatsächlich das einzig Sinnvolle, sie dort und im Vagen zu lassen, weil sonst das Leben zu unpraktisch wird. Wir können nur begrenzt moralische Aspekte thematisieren. Aber auch wenn wir es nicht tun, verbessern wir und andere Menschen weiter unaufhörlich die Welt, auch wenn wir die Dinge natürlich genauso oft oder öfter verschlimmern. Wir tun es, ohne es je so zu formulieren oder es zu rechtfertigen. Das könnte man die „Banalität des Guten“ nennen.
Im unglücklicheren Falle aber werden die moralischen Aspekte auch dann ausgeblendet und manchmal sogar verleumdet, wenn sie bedeutsam sind. Im noch unglücklicheren Fall wachsen sie dann an. Werden sie weiter verleugnet, verwandeln sie sich in Sachprobleme und Sachzwänge und führen schließlich zu dem Gefühl, dass man doch eigentlich gar nichts verändern kann.
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